Pfalz, Evangelische Kirche der Pfalz, Landessynode, Resolution "Frieden stiften", 1989
Resolution
Als Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) bringen wir
in den ökumenischen Prozeß für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung
der Schöpfung die Fragen und Probleme ein, die sich aus der militärischen
Belastung unserer Region ergeben. Durch die weltweit dichteste Konzentration
von Vernichtungspotential (Giftgas, atomare Waffen, Raketen, Munitionsdepots
u.a.) sind Menschen und Natur einer ständigen Bedrohung ausgesetzt.
Als Christen, die wir täglich mit der Situation Waffenlager Pfalz
konfrontiert sind, sind wir berufen, Jesu Wort ernst zu nehmen: Selig
sind, die Frieden stiften (Math. 5,9).
Wir sehen uns verpflichtet:
- für gerechte und friedliche Beziehungen unter den Menschen entschieden
einzutreten,
- die Schöpfung zu bewahren,
- Verantwortung wahrzunehmen für diejenigen, die keine Stimme haben,
für uns selbst und für kommende Generationen.
Wir bekräftigen: Der Friede Gottes (Shalom) ist unteilbar. Die Feindesliebe
ist Ernstfall der Liebe.
1. Militärpräsenz abbauen - Arbeitsplätze schaffen
Wir stellen fest, daß Militärpräsenz und Rüstung zu einem
gewichtigen Wirtschaftsfaktor der Region geworden sind; zahlreiche Menschen
arbeiten in diesen Einrichtungen. Arbeitsplätze und Nutzungsflächen
werden einseitig gebunden.
Dies schränkt außermilitärische Nutzungsmöglichkeiten ein.
Wir fordern:
- In verstärktem Maße Rüstungskapazitäten zugunsten ziviler
Aufgaben abzubauen.
- Alle Personen, Gruppen und Initiativen zu ermutigen und zu unterstützen,
die das Ziel verfolgen, militärische Arbeitsplätze umzuwandeln und
neue zivile Arbeitsplätze zu schaffen.
2. Sicherheitspartnerschaft stärken
Wir stellen fest, daß das Sicherheitsbedürfnis in unserer Zeit zur
Strategie der Abschreckung geführt hat. Dies hat ein ständiges Rüsten,
Nachrüsten und Modernisieren der Waffenarsenale zur Folge. Davon sind wir
in der Pfalz besonders betroffen.
Wir fordern:
- Die Strategie der Abschreckung durch eine weltweite Sicherheitspartnerschaft
zu ersetzen.
- Die militärische Konzeption der NATO zu hinterfragen und sich am Ziel
eines weltweiten Friedens zu orientieren.
- Die Bundesregierung bei ihren Bemühungen zu unterstützen, die
Modernisierung der Lance-Raketen zurückzustellen.
- Alle Massenvernichtungswaffen mittelfristig abzuschaffen.
3. Ängste beseitigen
Wir stellen fest, daß sich in der Bevölkerung Ängste und Resignation
ausbreiten. Es verstärkt sich das Gefühl, unzureichend informiert
zu sein und der Entwicklung machtlos gegenüber zu stehen.
Wir fordern:
- Die Befürchtungen und Ängste in der Bevölkerung politisch
ernst zu nehmen. Dazu ist eine offene und vollständige Information notwendig.
4. Chemische Waffen vernichten
Wir stellen fest, daß der Einsatz von chemischen Waffen (C-Waffen) völkerrechtlich
untersagt ist. Es gibt keinen Grund mehr, solche Systeme zu entwickeln, zu produzieren
und zu lagern.
Wir fordern:
- Lückenlose Aufklärung darüber, wo in unserem Gebiet chemische
Waffen bereitgehalten werden (in den USA veröffentlicht man Standorte
derartiger Depots).
- Den unmittelbaren Abzug dieser Systeme und ihre Vernichtung, wie es bereits
von der Regierung der USA angekündigt wurde. Dies muß mit besonderer
Sorgfalt geschehen. Ein Konzept für die Entsorgung ist unbedingt erforderlich
und zu entwickeln.
- Die abgezogenen und vernichteten Kampfstoffe nicht durch neue modernere
zu ersetzen (z.B. durch binäre Systeme). Wir warnen vor der Entwicklung
von biologischen Waffen (B-Waffen) und halten Forschung auf diesem Gebiet
für unverantwortbar.
5. Tiefflüge einstellen
Wir stellen fest, daß die Bevölkerung unseres Landes durch militärischen
Flugbetrieb unzumutbar stark belastet ist.
- Wir fordern die Einstellung aller Tiefflugübungen über der Bundesrepublik
Deutschland.
- Wir fordern auch, sie nicht in andere Zonen der Erde zu verlagern. Dies
entspricht unserer Verpflichtung zur Bewahrung der ganzen Schöpfung.
Wir rufen auf
Als Mitglieder der Landessynode rufen wir unsere Gemeinden auf: Betet für
den Frieden und die politisch Verantwortlichen! Führt Gespräche mit
allen Vertretern des öffentlichen Lebens und des Militärs mit dem
Ziel, die Bedrohung unseres Lebensraumes durch Waffen zu verringern und aufzuheben.
Wir rufen auf zur Solidarität mit all denen, die unter dem Waffenlager
Pfalz zu leiden haben!
Wir rufen auf, bestehende Feindbilder abzubauen und keine neuen zu schaffen!
Wir rufen auf, alles zu tun, um die Einheit von Mensch und Natur wieder herzustellen,
und zu bekennen, daß der Friede Gottes die Versöhnung der Menschen
untereinander und die Bewahrung der Natur durch den Menschen einschließt.
Speyer, den 27. April 1989
Evangelische Kirche der Pfalz
Landessynode April 1989
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